„Was denn, bitte schön, kam hier aus dem Nichts?“

Bookje – Dat Leseboot entsprang keiner Idee, die langsam reifte, wie vielleicht der Plot eines guten Buches, das man gedenkt zu schreiben. Oder wie eine Welle, die sich in den Weiten des Meeres langsam auftürmt. Nein. Vielmehr war sie plötzlich da, diese Idee. Sie nahm rasch Gestalt an – und war dann, wie aus dem Nichts, plötzlich keine bloße Idee mehr, sondern erfreuliche Realität.
Wie aus dem Nichts? Es dauert nur den Bruchteil einer Sekunde, bis sich angesichts dieser Worte die Stirn meines Schiffsführers runzelt. „Was denn, bitte schön, kam bei diesem Projekt wie aus dem Nichts?“, grummelt er.
Die Idee. Sag ich ja.

Zugegeben, alles andere brauchte dann doch ein wenig Vorlauf. Okay, ein wenig mehr Vorlauf. Genau genommen fast ein Jahr.
Alles begann – natürlich – mit der Frage der Finanzierung. Ohne Geld kein Schiff. Ohne Schiff kein Bookje – Dat Leseboot. Zum Glück konnte ich hier auf professionelle Hilfe zurückgreifen. Wäre es an mir gewesen, mich darum zu kümmern, könnte ich diesen Beitrag an dieser Stelle vermutlich beenden.
Genauso übrigens, wenn ich mich mit all den Kriterien selbst hätte befassen müssen, die ein Schiff für den von mir beabsichtigten Zweck zwangsläufig erfüllen muss. Angefangen natürlich bei der Seetauglichkeit und der für Lesungen und sonstige Veranstaltungen zur Verfügung stehenden Fläche, über die notwendigen Genehmigungen, Bestätigungen und Versicherungen, bis hin zur Technik.
Ja, ja, die Technik. Auch nicht gerade mein Steckenpferd.
Wie schön, dass es Menschen gibt, denen es anders ergeht. So zum Beispiel meinem hier bereits erwähnten Schiffsführer. Mit Feuereifer machte er sich auf mein Geheiß hin auf die Suche nach dem passenden Gefährt. Tagaus und tagein wälzte er Kaufangebote, Kaufangebote, Kaufangebote und Kaufangebote … und legte mir eines Tages das Exposé des Schiffes seiner Wahl vor.
„Aha. Ja. Hm. Bisschen klein. Oder?“
Stirnrunzeln. Dann der überzeugend klingende Vorschlag, mir das auserwählte Schiff bei einer Stippvisite auf einer Werft im niederländischen Sneek, wo das gute Stück im Wasser vor sich hindümpelte, einfach mal anzusehen. Okay.
„Das ist es.“
„DAS ist es?“ Staunend stand ich davor. „Aber es ist so … groß!“
Genau. So kann man sich täuschen. Tatsächlich brachte dieses Schiff, das damals noch auf den Namen Orca hörte, all das mit, was sich mein Autorinnenherz im Innersten ersehnt hatte. Viel Platz innen und außen, fantastischer baulicher Zustand, angenehme Optik, erstklassige Technik (sage ich jetzt mal, weil es mir so gesagt wurde. Vom Schiffsführer. Natürlich).
Die Details der dann folgenden Kaufabwicklung erspare ich mir hier. Nur so viel: Alles hat hervorragend geklappt.
Wenige Wochen später folgten zwei Tage, an denen ich mein Herz verlor. An mein Bookje – Dat Leseboot.
Es waren die beiden Tage, an denen mein Schiffsführer und ich und unsere Bordhündin uns aufmachten, das Schiff in einer ersten Etappe von Sneek nach Groningen zu überführen. Durch Seen (die im Niederländischen wie auch im Ostfriesischen Meere heißen), durch Kanäle, durch Schleusen, unter beweglichen Brücken hindurch.
Abenteuer pur. Zumindest für mich und meine Hündin, die wir nur leidlich Bootserfahrung mitbrachten. Für meinen Schiffsführer Gott sei Dank nicht. Einer musste ja die Nerven behalten bei Backbord und Steuerbord, beim Aufstoppen, beim Schleusen, beim Anlegen.
Es war herrlich. Die ruhige Fahrt, das sanfte Schaukeln in der Nacht, das sonnige Wetter bei Tag. Einfach nur herrlich.
Demnächst nun folgt die Überführung von Bookje – Dat Leseboot in seinen zukünftigen Heimathafen Leer.
Ihr seid gespannt? Ich auch.
Wir lesen uns.